Historie - BffL Stuttgart e. V.

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Historie

Über uns
Die nackten Vereinsmitglieder im Gründungsjahr 1926
BffL Stuttgart e. V.
Die im folgenden Text in Anführungszeichen gesetzten Stellen verwenden Texte aus einer Jubiläumsschrift des BffL Stuttgart, die von Paul Stetter, Oscar Heiler, Paul Herrmann und Herbert Metzler stammen – alles Urgesteine des BffL Stuttgart, die teilweise von Anfang an dabei waren. Auch sonst sind diese Jubiläumsschrift von 1976 sowie eine weitere von 2011 wichtige Quellen.
Die Bewegung der Freikörperkultur (FKK) entstand ungefähr Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Allerdings war der Begriff FKK damals noch unbekannt; man sprach von Nacktkultur. Die Nacktkultur hatte viele unterschiedliche Wurzeln, die teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurück reichten. Das Nacktsein am Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte hauptsächlich zur Lebensreformbewegung, die auch auf gesunde Ernährung und gesunde Kleidung Wert legte. Manche Pioniere der Bewegung vertraten auch sozialistische, andere völkische (rassistische) Ideale.
„…Aber wir waren Sonderlinge. Und dies nicht nur in den Augen der Öffentlichkeit, sondern durchaus auch im eigenen Bewusstsein.  Für die Öffentlichkeit waren wir im besten Fall Spinner, Fanatiker, Naturapostel, darüber hinaus aber auch sittenlose Strolche […] Bemerkenswert waren die Gegensätze der Beschimpfungen und Verdächtigungen. Wie aber sahen wir uns selbst? Auf jeden Fall als sittliche Erneuerer und mutige Vorkämpfer. Darüber hinaus auch, je nach der politischen Orientierung, als Revolutionär, wie z. B. Adolf Koch in Berlin, oder als Rassisten, wie Richard Ungewitter in Stuttgart. Solche weltanschaulichen und politischen Gegensätze trennten in den 20er Jahren die wenigen bereits bestehenden FKK-Bünde so sehr, dass wir in Stuttgart zum Beispiel 1926 nichts wussten von dem im gleichen Jahr in Winnenden gegründeten „Sonnlandbund“ Eugen Sannwalds. Auf Grund der feindlich gesinnten Umwelt führten die Bünde ein Ghettoleben innerhalb ihrer Geländezäune, und jeder Neuling wurde streng auf seine Voraussetzungen geprüft, ein ‚Lichtmensch‘ zu werden.“

Darlehensvertrag zum Kauf
des Geländes Birkmannsweiler

Eugen Sannwald also – ein Malermeister aus Winnenden, der aus der Arbeiterjugend-Bewegung kam – gründete zusammen mit ungefähr 30 jungen Leuten 1926 den „Sonnlandbund Stuttgart", den man als Urzelle des heutigen BffL Stuttgart betrachten kann, obwohl der Verein damals nicht ins Register eingetragen wurde. Im darauf folgenden Jahr gelang es diesem Zusammenschluss von Gleichgesinnten, in der Nähe von Bürg bei Winnenden am Rand eines kleinen Bachs einen Platz zu pachten. Jedes Wochenende traf man sich dort, badete, sonnte sich und baute den Platz weiter aus.

Die Bevölkerung der Umgebung wurde jedoch auf das ihrer Meinung nach sündige Treiben aufmerksam, der Pfarrer predigte von der Kanzel herunter gegen die Nackten und viele Kirchenbesucher kletterten auf die Bäume um die Nackten von dort oben herunter zu beschimpfen. Also hielt man nach einem neuen Gelände Ausschau. Das fand man bei Birkmannsweiler, ebenfalls in der Nähe von Winnenden. Mit Hilfe eines Strohmannes wurde es 1931 für die damals enorme Summe von 3000 Reichsmark gekauft und im Grundbuch auf den Sonnlandbund Stuttgart eingetragen.

Nun ging die Aufbauarbeit wieder von vorne los. Das Gelände Birkmannsweiler liegt mitten im Wald, ein Teil des Waldes musste abgeholzt werden, die Hütte wurde im alten Gelände bei Bürg abgebaut und nach Birkmannsweiler transportiert. Ein Bretterzaun musste aufgestellt werden und der Sportplatz in mühevoller Handarbeit aus dem Berghang herausgegraben werden. Bis 1933 war der Sonnlandbund auf etwa 50 Mitglieder angewachsen.

Verfügung der Gestapo
gegen Eugen Sannwald von 1937

Nach der Machtergreifung der Nazis wurden die FKK-Vereine verboten oder gleichgeschaltet. Das Gelände in Birkmannsweiler wurde 1933 geschlossen und durfte nicht mehr vertreten werden. Der Vereinsgründer Eugen Sannwald, der als Kommunist galt, wurde verhaftet. Nach seiner Haftentlassung wurde ihm von der Gestapo verboten, weiter für den Verein tätig zu sein oder ihm anzugehören. Eugen Sannwald ist im 2. Weltkrieg gefallen.
Ab 1934 durfte das Gelände wieder betreten werden, allerdings nur in Badebekleidung. Der Sonnlandbund wurde in „Bund für Leibeszucht Stuttgart-Nord e.V.“ umbenannt und durfte, derart angepasst, bestehen bleiben. Die Geländearbeit ging also weiter. Die umliegende Bevölkerung war aber immer noch feindlich gesinnt, das Darlehen über 3000 Reichsmark musste zurückgezahlt werden und obwohl der Verein im Jahr 1941 insgesamt 97 Mitglieder hatte, konnten während der Kriegsjahre natürlich nur wenige aufs Gelände kommen.

Lizenz des Bürgermeisteramts und des Militärbeauftragten
zur Gründung eines Vereines 1947

Nach dem Krieg wurde 1946 zuerst die „Liga für freie Lebensgestaltung Stgt. e.V.“ neu gegründet, allerdings war das Gelände in Birkmannsweiler grundbuchmäßig immer noch auf den „Bund für Leibeszucht“ eingetragen. Es gab also jetzt zwei Vereine. Dieser unerfreuliche Zustand wurde schließlich 1952 beseitigt, als der „Bund für Leibeszucht“ sich in „Bund für freie Lebensgestaltung Stuttgart e.V.“ umbenannte, die Liga sich auflöste und dem neuen BffL beitrat. Der neue Verein wurde am 25. Februar 1952 im Vereinsregister des Amtsgerichts Stuttgart eingetragen.

Arbeiten auf dem Gelände Birkmannsweiler 1951

Ab jetzt ging’s bergauf. Die Mitgliederzahlen stiegen. Es entstanden Wettkampfmannschaften im Volleyball und Tischtennis, später auch im Ringtennis. Bei der Stadt Stuttgart wurden Anträge auf Zuweisung von Sporthallen gestellt, Anfang 1959 fand der erste FKK-Badeabend in Stuttgart im Mineralbad Berg statt. Auf einem Verbandstag des DFK, des Dachverbandes der deutschen FKK-Vereine, dem der BffL Stuttgart inzwischen auch angehörte, sprach sogar der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett. (Trotzdem dauerte es noch bis 1971, bis das „Schmutz-und Schundgesetz“, das der FKK-Bewegung das Leben schwer machte, vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt wurde.)

Familienidyll

Da die Mitgliederzahlen des Vereins weiter anstiegen, stellte sich schon bald die Frage nach einem weiteren Gelände, auf dem auch – anders als in Birkmannsweiler – ein Freibad möglich wäre. Für vier Jahre konnte ein Gelände bei Schuppach im Hohenlohischen gepachtet werden, das dann aber wieder aufgegeben werden musste. Schließlich fand der Verein das Geeignete auf dem Simonsberg in Untersteinbach. Es war ein hoch über dem Tal liegender Bauernhof, der durch den Strukturwandel unwirtschaftlich geworden war. Der BffL Stuttgart konnte dieses Gelände auf dem Simonsberg ab 1961 von der Familie Kober pachten. (Die heutigen Eigentümer, Familie Zeh, sind selbst Mitglieder des Vereins.)

Die Hanglage mit weitem Ausblick ins Tal machte einen Zaun nutzlos, ein solcher steht bis heute nur im Eingangsbereich. Dadurch war das Gelände leicht einsehbar und sorgte am Anfang für sensationshungrige Berichte. Inzwischen besteht zwischen der Gemeinde Untersteinbach (die inzwischen zu Pfedelbach gehört) und dem BffL Stuttgart ein gutes Einvernehmen. Im Laufe der Jahre entstanden Terrassen für Wohnwägen, diverse Sportanlagen und ein Schwimmbad (das inzwischen komplett renoviert wurde). Seit dem Jahr 2000 wurde der Spielplatz erneuert und der Jugendraum saniert, ein großer Gemeinschaftsgrillplatz geschaffen und die Gaststätte umfassend renoviert, die seitdem als Vereinsheim in Eigenregie genutzt wird. Ein Bouleplatz wurde neu angelegt, ein Hüpfkissen für Kinder eingebaut und ein Bikepark im Wald errichtet.

Jugendlager auf dem Simonsberg 1961

In den 1960er Jahren fehlte dem Stuttgarter Verein aber noch ein stadtnahes Gelände, auf dem man sich auch unter der Woche an Sommerabenden treffen konnte (Birkmannsweiler war 30 km, der Simonsberg 80 km von Stuttgart entfernt). Schließlich fand der Verein im Ramsbachtal zwischen Degerloch und Birkach das Gelände der ehemaligen Kläranlage. "Durch die Fürsprache einiger Stadträte konnten dann auch die vielen Vorbehalte und sonstigen Widerstände der Landschaftsschützer und anderer Behörden beseitigt werden.“ Anfang 1968 konnte also dieses im Landschaftsschutzgebiet liegende Gelände vom Sportamt der Stadt Stuttgart gepachtet werden. Sportfelder und Sanitäranlagen entstanden, Strom konnte aber immer noch nur über ein Notstromaggregat erzeugt werden. 1998 konnte dann eine Stromleitung verlegt werden, was dann auch einen Bouleplatz mit Flutlicht ermöglichte. Ab 2002 begannen die Planungen für ein Naturschwimmbad, das dann 2005 auch verwirklicht wurde und hauptsächlich über Spenden der Vereinsmitglieder finanziert wurde. Durch Testamentsverfügungen von Mitgliedern wurde es möglich, einen asphaltierten Sportplatz in einen Beachvolleyballplatz zu verwandeln und das Vereinsheim in Degerloch zu renovieren.
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